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„Magier“ Mankell in Marktkirche PDF  | Drucken |  E-Mail
Höhepunkt der Advent-Lesereihe „MarktKircheLiteratur09“ in Wiesbaden
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Henning Mankell liest bei der Lesung in der
Marktkirche, Fotos: EKHN/Töpelmann
Wiesbaden, 14. 12. 2009. Die Faszination, die von Henning Mankell ausgeht, lässt sich kaum beschreiben, nur erleben. Bereits eine Stunde vor Beginn der Lesung reihen sich seine „Fans“ in eine lange Schlange vor dem Portal der Wiesbadener Marktkirche ein, trotz der frostigen Temperaturen. Zu den 700 Karten für Plätze, auf denen man den Autor sehen kann, haben die Veranstalter noch Karten für Hörerplätze angeboten, die am ökumenischen Kirchenstand auf dem Sternschnuppenmarkt vor dem Gotteshaus ihren Absatz finden. In der Kirche herrscht Gedränge. Auf den Emporen wie im Kirchenschiff. Alle wollen ihn sehen und hören. Als der im afrikanischen Mosambik und in Schweden lebende Schriftsteller in der ersten Reihe Platz nimmt, klicken Fotoapparate und blitzen die Kameras. Mankell ist mit dem Regisseur Jens Monath gekommen. Neben ihm nehmen Dekan Hans-Martin Heinemann, Pfarrer Werner Badenhewer von der katholischen Kirche und die Veranstaltungsorganisatorin Bianca Schamp Platz. Die Pfarrvikarin im Evangelischen Dekanat hat es geschafft, dass der Weltautor nach einer Filmpräsentation im kommunalen Kino Caligari am Vortag zu einer Benefizlesung geblieben ist.

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Die ehemalige Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, Schirmherrin der africa action, begrüsst den Autor
Mankell tritt an das hohe Pult und beginnt stehend seine Lesung aus „Der Chronist der Winde“. Auf Deutsch, so hat man schon zuvor gehört, hat der Krimi-Autor eigentlich noch nie gelesen. Heute tut er es zu Gunsten der „africa action“ und seine Aussprache ist exzellent.  Natürlich liest er eine Szene aus seiner zweiten Heimat Afrika: Der zehnjährige Straßenjunge Nelio erliegt Schußverletzungen. Auf den Armen des Erzählers trägt der das tote Kind die Treppe hinunter in eine Backstube. Es ist früh am Morgen. Hier soll gleich Brot gebacken werden. Doch noch bleibt Zeit, um den Gestorbenen den Flammen anzuvertrauen. Nach einer Stunde ist nichts mehr von dem Körper da. Seine Seele ist entwichen.

Dass der Autor mit Gestorbenen kommuniziert, bekennt er im anschließenden Gespräch, das mit Monath auf Englisch geführt und übersetzt wird: „Ich habe tote und lebendige Freunde“, schildert Mankell. So spreche er noch immer mit seinem Vater, der vor 30 Jahren verstorben sei. Die geistige Verbindung mit den Ahnen sei geblieben. Sein fester Glaube bestehe darin, dass man zurückschauen müsse – wie beim Autofahren. „Während ich lebe, schaue ich zurück“, sagte der grau melierte Schriftsteller. Sein Resümee aus den Erfahrungen auf dem schwarzen Kontinent ist: „Afrika hat aus mir einen besseren Europäer“ gemacht. Aber auch: „Wir sind das Problem, nicht die Afrikaner.“ Er kritisiert die Medien, die nicht die Wahrheit über den südlichen Kontinent  verbreiteten. Auch die Politik sei schuld. Einzig der deutsche Bundespräsident Köhler sei ein „wahrer Freund Afrikas“. Mankell fällt der Übersetzerin ins Wort, als die seine Worte über den englischen Premier nicht übersetzt. Tony Blair könne nicht zuhören, aber er rede viel. Darauf kommt es dem Krimi-Autor überhaupt an: Der Mensch hat zwei Ohren und eine Zunge. Das heißt: Mehr zuhören, weniger reden. Und wie sieht er sich selbst? Hat er Vorbilder? „Yes, it is myself“, beschreibt Mankell sich als 13 Jahre alten Jungen. „Ich war der Beste und hatte das Gefühl, das alles möglich ist.“ Noch in einhundert Jahren werde die Welt von Gandhi und vielleicht auch noch von Nelson Mandela sprechen. Vorbilder seien alle Mütter, die um ihre Kinder kämpfen. Am
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Mankell neben der Organisatorin der Veranstaltung, Bianca Schamp
Ende gebrauchte der „Magier“ vor seinem Publikum noch einmal das deutsche Wort „Vorbild“. „Every child has the right to have „Vorbilder“ meint der Mann, der an die 1000 Zuhörer für eineinhalb Stunden in den Bann geschlagen hat. Und es kommt noch besser: Mankell signiert seine Bücher mit großer Geduld, denn die wartende Schlange seiner Leser durch den Mittelgang des Kirchenschiffes wollte nicht abreißen. Einen neuen „Wallander“ wird es auf Deutsch im kommenden März geben. „Was danach kommt, wer weiß?“, ließ der Mann mit der unerklärlichen Ausstrahlung alles offen.
 
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